Wir verlassen das Hotel um 05:00 um rechtzeitig im Hafen von Old Bagan anzukommen. Es ist natürlich stockdunkel, keine Strassenbeleuchtung. Gut dass wir den Weg schon einmal gefahren sind, so kennen wir den Zustand der Strasse.
Nur die Abzweigung zum Hafen ist schwer zu erkennen und so fahren wir das erste Mal prompt daran vorbei. Beim zweiten Versuch klappt es und wir erreichen das Boot rechtzeitig. Helfer sind natürlich zur Stelle um das Gepäck und unsere Velos die steile Uferböschung hinunter und über das 20cm breite Brett auf das Schiff zu bringen. Das recht komfortable Schnellboot startet rechtzeitig um 6 Uhr, denn wir müssen Mandalay vor dem eindunkeln erreichen. Die Fahrt dauert um diese Jahreszeit länger als normal, da der Wasserstand des Irrawaddy Flusses sehr tief ist und somit der Kapitän der tiefsten
Wasserrinne folgen muss und nicht die kürzeste Linie nehmen kann. An manchen Stellen muss die Wassertiefe laufend am Bug mit einer Stange abgetastet werden. Der Sonnenaufgang auf dem Fluss ist beeindruckend. Wir geniessen auch sonst diese Fahrt, denn es ist einiges los auf diesem Fluss, der völlig frei seinen natürlichen Weg finden kann und in keiner Art und Weise eingeschränkt oder verbaut worden ist. Links und rechts ziehen Dörfer vorbei mit ihren herausragenden, golden leuchtenden Pagoden. Es sind auch viele Schlepperkähne, Bambusflosse und kleine Fischerboote auszumachen. Eines dieser mit Teakholzstämmen beladenen Schiffe ist auf eine Sandbank aufgelaufen und zwei Schlepper versuchen es aus seiner misslichen Lage zu befreien. Der Schiffskoch hat für die ca. 50 Reisenden ein schmackhaftes Curry mit Reis Gericht zum Mittagessen zubereitet. 20 km vor Mandalay fahren wir vorbei an Sagaing, einer ehemalige Hauptstadt eines Shan Königreiches des 14. Jahrhunderts. Die vielen goldenen Pagoden glänzen im Abendlicht um die Wette und die zwei Brücken über den Fluss präsentieren sich im besten Licht. Eine super Abendstimmung.
Samstag 23. Januar
Über Nacht ist bei Mandi die von mir geerbte Erkältung ausgebrochen, so dass wir die vorgesehene Velotour absagen müssen. Wir beschliessen einen gemütlichen Fussmarsch zum Mandalay Hill zu unternehmen. Dazu müssen wir den Mandalay Palast umrunden, das das grösste Gebilde dieser Stadt darstellt. Es diente den letzten beiden Königen Burmas als Residenz und ist eigentlich eine ummauerte Stadt innerhalb der Stadt Mandalay.
den 90-iger Jahren durch Zwangsarbeit von der Regierung wieder errichtet, weshalb viele Touristen sich weigern diesen Palast zu besichtigen und dafür
Sonntag, 24. Januar
Heute holen wir unsere Velotour mit unserem angeheuerten Guide nach. Als erstes besuchen wir die Produktionsstätte der hauchdünnen Goldplättchen, die von den Gläubigen an Buddha Statuen geklebt werden.
Ein faszinierender Prozess, alles von Hand gemacht. Der Ausgangsstoff ist ein leiner Goldbarren, der in ein 7 m langes Band gewalzt wird, das in 5 Stücke geschnitten wird. Daraus werden kleine Vierecke geschnitten und zwischen Bamboo-Papier gepackt. 200 dieser so verpackten Goldplättchen machen eine Unit aus, welche in Leder geschnürt wird und auf einer Steinunterlage mit einem 3 kg schweren Hammer 1 Std. lang geschlagen wird. Die daraus resultierenden grösseren, aber dünneren Plättchen werden noch 2 x so aufgeteilt, dass daraus Units mit 1200 Plättchen entstehen. Im Schlussgang wird so
eine Unit von 3 Mitarbeitern abwechselnd 5 Std. lang geschlagen. Der Erste macht das Paket warm, beim zweiten Schläger
expandieren die Goldplättchen und beim Dritten lösen sich diese wieder vom Bamboo-Papier. Erst jetzt kann man sie in die gewünschte Grösse schneiden und für den Verkauf verpacken. Das Schwe In Bin Kloster ist eines der wenigen mit Teak Holz gebauten Klöster, die noch in ihrem Originalzustand erhalten geblieben sind. Dessen Bau wurde 1895 von einem reichen Chinesen in Auftrag gegeben und finanziert. Unglaublich viel Arbeit musste für diese Detail getreuen und filigranen Schnitzereien aufgewendet
worden sein. Etwas weiter südlich ist ein ganzes Stadtviertel damit beschäftigt Buddha Statuen aus Marmorblöcken zu fertigen, grosse und kleine in allen Variationen und Posen. Man kann zuschauen wie aus diesen Blöcken die Umrisse einer Statue mit Hammer und Meissel geschlagen wird, dann mit Schleifmaschinen zur endgültigen Form geschliffen und poliert werden. Der weisse Steinstaub liegt in der Luft und die ganze Umgebung ist mit einer dicken weissen Staubschicht überzogen. Keiner dieser Arbeiter trägt einen Mundschutz und ich darf nicht daran denken, was für gesundheitliche Schäden daraus resultieren.Natürlich müssen wir der Mahamuni Paya, eines von Myanmars berühmtesten Buddhistischen Heiligtümern, unsere Aufwartung machen. Dementsprechend viele Gläubige und Touristen besuchen diesen Ort.
Die über 4 m hohe, sitzende Buddha Statue, glaubt man, wurde sogar zu Lebzeiten Buddhas aus Bronce gegossen. Über all die Jahre wurde diese Statue mit einer 15 cm dicken Schicht aus Goldplättchen überzogen. Nur das Gesicht ist davor verschont geblieben, welches Mönche jeden Morgen waschen und sogar die Zähne putzen. Übrigens dürfen nur Männer den Innenraum dieser Statue betreten und Goldplättchen ankleben. Die betenden Frauen im äusseren Ring können ihre Goldplättchen auf einen Stab stecken und diese werden so den Männern zum ankleben gereicht. Angesichts der Armut in diesem Land ist dieses Schauspiel für Nichtbuddhisten schlicht unverständlich aber gleichsam auch bewundernswert ob der tiefen Gläubigkeit dieser Leute.
Dienstag, 26. Januar
Heute besuchen wir die 10 km südlich gelegene, ehemalige Königsstadt Amarapura, wovon sehr wenig übrig geblieben ist. Die eigentliche Attraktion ist die 1849 auf 1000 Teakpfählen gebaute Fussgängerbrücke
über den Taungthaman See, bekannt unter dem Namen «U Bein's Bridge».
Sie ist immer noch in brauchbarem Zustand und wird von vielen Mönchen benutzt die in den umliegenden Klöstern leben. Ich werde häufig von Mönchen angesprochen die mit mir englisch reden möchten, oder mit mir für ein Erinnerungsphoto posieren wollen. Auf dem Rückweg schauen wir uns eine der vielen Webereien dieser Gegend an. Wenn man ins Haus eintritt, niemand hat etwas dagegen, umgibt uns ein ohrenbetäubendes
geklapper und Geknatter. Wie erwartet trägt keiner der Arbeiter und Arbeiterinnen einen Ohrenschutz. Auf den alten, vorsindflutlich anmutenden, über Transmissionsriemen angetriebenen Webstühlen werden bunte
Stoffe für ihre Longyis gewoben.
Mittwoch, 27. Januar
09:00 Aufbruch zu einer kleinen Schiffsreise nach Mingun, 10km Flussaufwärts gelegen mit ein paar bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten. Das ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel, denn auf dem Boot treffen wir viele Westler an.
Eine gute Gelegenheit Reiseerfahrungen auszutauschen. Am Ziel erwartet uns eine riesige Horde von Verkäufern, Guides und Taxis (Überdeckte Ochsenkarren) die uns ihre Dienste aufdrängen wollen. Als geübte Touristen nehmen wir keine Notiz von ihnen und marschieren Zielstrebig los, aber sie verfolgen einem hartnäckig auf Schritt und Tritt. Sie bleiben jedoch freundlich und sind immer zu Spässen aufgelegt. Das beeindruckendste und weitherum sichtbare Monument ist Mingun Paya. Nach König Bodawpaya's Plänen hätte die Pagode 170 m hoch werden sollen. Die Bauarbeiten
begannen mit tausenden von Sklaven und Kriegsgefangenen 1790 und kamen zu einem jähen Stop beim Tod des Königs 1819. Ein starkes Erdbeben 1838 zerstörte die riesige, nur aus Backsteinen gebaute, unfertige Pagode und auch die monumentalen zwei Elefanten die den Eingang bewachen. Dieses 50 m hohe Monument wird als der Welt grösster Backsteinhaufen bezeichnet, misst doch jede Seite an der Basis 80 m und ist vollständig mit Backsteinen gefüllt. Trotz den riesigen Spalten kann man die Ruine besteigen und geniesst von da aus eine herrliche Rundsicht aufs Land und den Irrawaddy Flusslauf. Der gleiche König hat für seine gigantische Pagode 1808 auch eine riesige 90 Tonnen schwere Glocke giessen lassen. Sie gilt heute noch als die weltweit
grösste intakte Glocke. Eine noch grössere Glocke existiert zwar in Moskau, weist aber einen Riss auf. Mehrere kleinere Pagoden sind noch in Reichweite zu Besichtigen bevor wir um 13 Uhr die 1-stündige Rückreise antreten.
Donnerstag, 28. Januar
Jetzt habe ich endgültig den Pagoden Koller, aber zwei bemerkenswerte Monumente in Mandalay selber will ich heute doch noch besuchen.
Die Kuthodaw Paya mit den 729 Stupa's, welche je eine Marmortafel beherbergt in die die gesamten 15 Bücher der Tripitaka, die Lehre Buddahs in Paly Schrift, eingraviert ist. Es wird als grösstes Buch der Welt betitelt. Der Bau des monumentalen Werks begann 1857 und es brauchte ein mehr als 200 köpfiges Editorial Komitee um diese zu produzieren. Wenn man das komplette Buch lesen möchte, bräuchte man 450 Tage wenn man pro Tag 8 Std.
zum lesen aufwenden würde. Wenn König Mindon die 5. Buddhist Synode einberufen hatte, waren 2400 Mönche ein halbes Jahr beschäftigt das Buch ohne Unterbrechung zu lesen. In 1900 wurde das Buch auf Papier gedruckt, was 38 Bücher mit je 400 Seiten ergab. Unweit von dieser Pagode steht die Sandamuni Paya, welche sogar 1774 Marmortafeln aufweist, die jede in einer weissen Stupa untergebracht ist. Darauf sind die Kommentare zur Tripitaka eingraviert. Unglaublich mit wieviel Energie diese Bauwerke realisiert wurden. Und eines ist sicher, wenn man der Paly Schrift mächtig ist, kann man diese Informationen noch in 1000 Jahren oder mehr lesen, was man von unseren Komputer Aufzeichnungen kaum erwarten kann!
An diesem Abend besuchen wir eine Vorstellung des Mandalay Marionetten Theaters mit live Orchester, welches mit originellen Instrumenten bestückt ist. Das Puppentheater von Myanmar hat eine mehrere hundert Jahre alte erfolgreiche Geschichte, griet aber zunehmend in Vergessenheit, vor allem nach der Demission der Myanmar Royalty.
